Von den Fröschen im kochenden Wasser – Ein Vortrag über erfolgreiche Kommunikation im digitalen Wandel

Dr. Kerstin Hoffmanns Vortrag „Web oder Stirb – In digitalen Zeiten vorne mitspielen statt untergehen

Der Vortrag von Dr. Kerstin Hoffmann, das war das, worauf ich mich am meisten freute, als ich das Programm des 2. Praxistages Online-Marketing las. Zufällig hatte ich die Ankündigung zu dieser Veranstaltung auf Twitter gesehen. Und Frau Hoffmann als Rednerin! Also ab zum Chef und gefragt, ob ich einen halben Tag Urlaub machen kann. Kein Problem. Super, sofort online angemeldet.

Nächste Handlung: Das Buch „Web oder stirb“ bestellen und lesen; ich wollte das Buch sowieso lesen, also hatte ich nun den passenden Anlass. Das Buch ist sehr gut geschrieben und definitiv alles nachzuvollziehen, was da so beschrieben wird, dazu viele Beispiele aus der täglichen Kommunikationsarbeit. Und vor allem viele, viele Ideen und Vorschläge zu Verbesserung und Überprüfung der eigenen Kommunikation.

Persönliche Widmung in „Web oder stirb“ der Autorin Dr. Kerstin Hoffmann [Foto: Nathalie Hammes]

Am 9. Juli kam ich dann kurz nach 13 Uhr im IHK-Gebäude in Saarbrücken an. Ein bisschen zu spät war ich und so der Saal schon proppe voll, als ich die Tür reinkam. Einen Platz bekam ich in der vierten Reihe, quasi in Front zur Rednerin. So sah denn Kerstin Hoffmann auch gleich mein Buch, das ich in die Höhe hielt, als sie meinte, selbst keins dabei zu haben. Nach dem Vortrag signierte sie es mir. 🙂

Thema des Praxistages war „Trends und erfolgreiche Strategien – Nichts geht mehr ohne digitale Kommunikation und digitales Marketing“; somit war einer der ersten Fragen von Dr. Hoffmann

„Was müssen wir tun, damit wir nicht im digitalen Wandel untergehen?“

Sie stellte die These auf, dass in fünf Jahren diejenigen Unternehmen wirtschaftlich tot sein würden, die den digitalen Wandel nicht ernst nehmen und sich nicht mit der Digitalisierung auseinandersetzten. „Vielen ist nicht klar, inwieweit der digitale Wandel uns schon erreicht hat“. Wer der Anwesenden alles im Web aktiv sei: Mehrere Hände gingen nach oben, meine inklusive. Und wer glaube von sich, nicht aktiv zu sein? Ebenfalls mehrere Handzeichen, mehr als bei der ersten Frage. Und wer von denen, die glauben, nicht im Web aktiv zu sein, habe noch nie was gegoogelt, eine Info bei wikipedia recherchiert, online eine Reise gebucht? Wer kenne nicht WhatsApp und habe noch nie etwas bei amazon bestellt? Da meldete sich niemand mehr.

Frösche im kochenden Wasser

„Ja, meine Damen und Herren, und Sie sind die Frösche im kochenden Wasser, diejenigen“, so Kerstin Hoffmann, „die von sich selbst sagen, nicht in Social Web aktiv zu sein, aber es dennoch tun, ohne es zu merken. Der Wandel hat uns erreicht, wir stecken mitten drin“.

Dr. Hoffmann erklärte, dass die Unternehmen den Anschluss an ihre Kunden verlieren werden, wenn sie nicht im Web aktiv seien. Denn die Kunden suchen sich ihre Infos im Netz. Blöd, wer nicht dabei sei. Die Unternehmen müssten nun überlegen, was ihre Zielgruppe benötigt und dementsprechend die Rolle einer lenkenden, helfenden Instanz annehmen. Vielleicht müsste zu diesem Zweck die Unternehmensstrategie umgestellt, vielleicht ebenfalls die interne Kommunikation, auch auf technischer Ebene, angepasst werden.

Angst vor einem Shitstorm? „Nur weil Sie das Social Web nicht nutzen, heißt das nicht, dass nicht über Sie gesprochen wird“. Dadurch, dass man nicht mitmache, bekäme man es halt nur nicht mit. „Keine Infos bereitzustellen, kann man sich heutzutage nicht mehr leisten“, erklärte Kerstin Hoffmann. Dass man auch auf digitalem Wege seine Kunden ansprechen sollte, stehe nicht mehr zur Diskussion.

Der Bereich Social Media sei dabei nicht das eigentliche Thema, sondern ein Mittel zum Dialog. Die erfolgreiche Kommunikation in digitalen Zeiten, darüber muss nachgedacht werden. Die Annahme, Kunden wollten nur Botschaften empfangen, sei ein Missverständnis. Die „One-to-many“-Kommunikation, also eine unpersönliche Ansprache der Kunden, gebe es so nicht mehr. Die Bemerkung, zuletzt hätte dies bei Herrn Kaiser von der Mannheimer geklappt, erntete großes Lachen.

Inhalte im eigenen Unternehmen identifizieren

Wenn „Content first“ gelte, könne man in Unternehmen Schätze heben. In eine solche Content-First-Strategie könnte vieles mit einfließen: Unternehmen müssen erkennen, wie groß das Potenzial der Mitarbeiter sei, zum Beispiel für Storytellin. Jedoch sollte man nicht Content für Suchmaschinen erstellen, denn das klassische SEO sei tot. Man benötigt wertvolle Inhalte, aktualisierte, für Nutzer interessante Infos. „Sie brauchen Inhalte, die die Nutzer interessieren und die die Nutzer auf Ihrer Seite halten“. Dabei seien eine Content-Zentrale, Communities, Stakeholder Schnittstellen in die Echtwelt sehr wichtig. Damit die Kunden nicht verloren im digitalen Dschungel umherirrten, sollten Unternehmen der Lotse sein, der die Info-Flut filtert.

In einem weiteren Step erklärte Kerstin Hoffmann, was eine Digitalstrategie erfolgreich macht: Sichtbarkeit erfordert Zeit und Geld, eine professionelle Kommunikation muss strategisch geplant sein. „Da gibt es wirklich nichts zu rütteln“, so die Kommunikationsberaterin.

Folgende Tipps kamen vom Profi:

  • Man muss Gesicht zeigen und Geld in die Hand nehmen
  • Wichtig sind Infos über die Kunden, die Märkte, das eigenen Unternehmen
  • Professionelle Kommunikation nutzt die richtigen Inhalte, damit Kunden zielgerecht angesprochen werden
  • Auch im Detail planen: man benötigt Pläne und echte Beziehungen, abstrakt gesagt eine Markenbindung.

Diese 7 Schritte helfen dabei

  • Sich den Wandel bewusst machen
  • Vom Kopf eines Unternehmens denken: Webkommunikation ist kein alleiniges IT-Thema
  • Von Anfang an alle im Unternehmen mitnehmen und dabei die Potenziale der Mitarbeiter erkennen
  • Ressourcen schaffen
  • Die Kernkompetenz nutzen: was können wir als Unternehmen schon
  • Die Maßnahmen schrittweise um setzen, denn Wandel braucht Zeit, langsam und sorgfältig
  • Erfolg messen und ausbauen durch Monitoring

Dr. Kerstin Hoffmann schloss ihren Vortrag mit dem vielleicht provokativen Satz:

„Es ist Fünf vor Zwölf in Deutschland– Web oder stirb“.

Ein großer Applaus war die Antwort.

Auf Twitter konnte man unter dem Hashtag #ompsaar die Tweets zur Veranstaltung verfolgen. Veranstalter waren IHK Saarland, saar.is und eBusinessLotse. Den Besuch dieser Veranstaltungen kann ich nur weiter empfehlen, nächsten Mal bin ich wieder dabei.

Für mich war dieser Vortrag eine schöne Sache, sehr informativ. Meiner Meinung nach gibt es noch viele Menschen, die für dieses Thema sensibilisiert werden müssen. Wir stecken mitten im digitalen Wandel, die Kommunikation hat sich schon verändert. Wie war das noch vor 20 Jahren, vor zehn Jahren? In meinem Bekanntenkreis nutzen die meisten die Vorteile von Smartphones plus entsprechende Apps, sind bei Instagram, bei Facebook. Leider kann ich meiner Mutter WhatsApp immer noch nicht schmackhaft machen 😉

Bei Twitter konnte ich mich bisher mit vielen Menschen über berufliche Themen austauschen und habe viel Interessantes gelesen, weil ich anderen Personen folge. Wenn ich eine Sache, eine Information, eine Person, eine Firma suche, gucke ich bei google. Wenn dann keinen Treffer anzeigt wird, bin ich überrascht, weil ich schlicht und ergreifend davon ausgehe, dass mittlerweile jede Firma wenigstens eine Visitenkarte im Netz hat. Ich verzichte gerne auf  Printausgaben wie „Gelbe Seiten“ und ein Telefonbuch, ich klappe das Notebook auf und suche bei Google. Geht schneller, ist meist aktueller.

Und wenn der Privatmensch, der Kunde, die Zielgruppe so handelt, sollten die Unternehmen doch ebenfalls anstreben, in diesen Bereichen aktiv zu sein. Oder nicht?

Finden Sie immer alles im Netz, was Sie suchen, oder denken Sie ebenfalls manchmal, dass die eine oder andere Firma die Webpräsenz ausbauen müsste? Haben Sie sich oder Ihr Unternehmen schon einmal gegoogelt? Waren Sie zufrieden mit dem Suchergebnis?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s