Erwartung, Enttäuschung, Emotionen – Störfaktoren in der Kommunikation

Privater Hintergrund dieses Artikels:

Schon Wochen vor meinem Geburtstag stellte sich die Frage, die sich mir jedes Jahr stellt: Feiere ich oder nicht. Letztes Jahr habe ich niemanden eingeladen; eigentlich hatte ich meinen Ehrentag quasi abgesagt. Grund war der Geburtstag im Jahr davor, als ich mich über die Summe verschiedener Ereignisse sehr geärgert hatte.

Tipp: Keine Entscheidungen treffen, wenn man emotional gestresst ist

Aufgrund mehrerer schöner Geburtstagsfeiern von Freunden und Familienangehörigen habe ich mich schlussendlich entschieden, das Geburtstage gefeiert werden müssen. Ich lade ein und wer da ist, über den freue ich mich, wer nicht da ist, schade. Keine Erwartungen, dann muss man sich auch nicht ärgern. Nichtsdestotrotz geht man irgendwie doch davon aus, dass die nächsten Familienmitglieder anwesend sein werden.

Ich als super Planerin und Organisatorin habe also im Vorfeld rechtzeitig eingeladen. In den Schulsommerferien war mir klar, dass einige absagen würden. So kam es auch. Doch eine Absage ärgerte mich am meisten: Eine mir familiär sehr nahestehende Person sagte wegen ihrem Hobby ab, für das am Tag meiner Einladung ein Event anstünde, an dem sie wahrscheinlich teilnehmen würde. Das sei noch nicht klar, entscheiden würde sich das vier Tage vor meiner Feier. – Ich möchte erwähnen, dass meine kleine Feier auf den Tag meines Geburtstages fällt. Es ist nun nicht so, als hätte ich unter der Woche Geburtstag und würde am Wochenende nachfeiern. – Als ich diese Nachricht über Whatsapp las, war ich stinksauer, ja wütend war ich. Am liebsten hätte ich eine böse Nachricht zurückgeschrieben, dass ich enttäuscht sei und so. Weil ich etwas anderes erwartet habe.

Erwartungen haben und enttäuscht werden

Und genau hier sind wir am Punkt, meine lieben Leser: Obwohl ich mir vorgenommen habe, keine zu hohen Erwartungen zu haben, wurde ich dennoch enttäuscht. Dabei dachte ich, die Erwartungs-Latte recht tief angesetzt zu haben. Beinahe hätte ich dieser Enttäuschung auch Worte verliehen. Habe ich nicht; irgendwo habe ich gelesen, dass man in hochemotionalem Zustand nicht kommunizieren sollte (Literatur zum Thema „Kommunikation und Emotion,Theoretische und empirusche Untersuchungen zur Rolle von Emotionen in der verbalen Interaktion“; Fiedler, Reinhard. Berlin, De Gruyter, 1990).

Erwartungen an Freunde und Familie sind meist höher als an Fremde

Ich überlegte, warum mir diese Absage so viel ausmachte, jedoch der absagenden Person anscheinend nicht. Nun, wenn nicht ich Priorität auf meinen Geburtstag legen würde, wer dann. Anscheinend ist der anderen Person 1. dieser Tag nicht so wichtig oder 2. das Hobby wichtiger, was dem ersten gleichkommt. Alles Mutmaßungen, eine mündliche Unterhaltung gab es nicht. Sonst wäre mir wahrscheinlich, wie man so schön sagt, der Kragen geplatzt.

Meine Erwartungen an diese Person sind, was meinen Geburtstag angeht, sehr hoch; anscheinend habe ich das nicht klar kommuniziert. Ich überlegte, ob ich dies der Person erklären sollte. Andere können ja nicht wissen, was mir wichtig ist, wenn ich es nicht sage. Eine klare Kommunikation wäre hier angebracht. Viele Überlegungen. Am Schluss habe ich mich dafür entschieden, überhaupt nichts zusagen. Ich war einfach zu sehr gekränkt. Davon ab  kann ich es nicht leiden, wenn sich jemand bis zum Schluss alles offen lässt.

Die Eingeladene sagte letztlich einen Tag vorher ab, um dann einen Tag später, also an meinem Geburtstag, kurz über WhatsApp zu informieren, sie käme doch. Ich versuchte zwar, mir meine Enttäuschung über dieses Hin und Her nicht anmerken zu lassen. Einen Knacks hat es dennoch hinterlassen.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass mir Erwartungen, gerade an meine Familie, meine Laune verderben und teilweise zu Kommunikationsstörern werden. Auch an Weihnachten, wenn Familie in geballter Form aufeinander trifft, ist es oft das Gleiche.

Ich habe mich nun entschieden, meine Energie sinnvoller einzusetzen als mich zu ärgern.

Denn ändern kann man andere nicht, nur sich selbst.

Literatur-Tipp: Gesundes Kommunizieren

In diesem Sinne möchte ich auf das meiner Meinung nach interessante Buch „Gesundes Kommunizieren: Für ein erfolgreiches, wertschätzendes und menschliches Miteinander“ von Angela Dietz hinweisen, auf das ich beim Stöbern in der Onleihe meiner Bibliothek gestoßen bin. Mir hat es wieder eine gute Richtung gegeben und mich darin bestätigt, dass eine klare, ehrliche Kommunikation nun mal nicht nett ist, dass man doch eher auf sich und die eigenen Gefühle hören sollte als auf andere und nicht immer alles runterschlucken sollte, sondern mal klar äußern, warum etwas nicht gefällt.

Bessere Kommunikation durch klare Worte

Eine bessere Kommunikation durch klare Worte steigern die Lebensqualität, denn Interpretationen vom Gesagten machen das Leben schwerer. Gesagtes von Unterstelltem zu trennen sei dabei ein wichtiger Schritt, so die Autorin, die ebenfalls Paul Watzlawick zur Rate zieht: Wir wirken ständig, auch wenn wir nicht wollen. Durch Offensichtliches wie Worte, Taten, Kleidung, Aussehen, Mimik, schreien, Blicke, lachen sowie durch Unbewusstes wie Gefühle, Bedürfnisse, Vorgeschichte, Werte, Beziehungen, Erlebnisse, Erinnerungen, die uns im Leben, in Kommunikationssituationen, leiten. 

Gesunde Kommunikation heißt die eigenen Gefühle wahrnehmen, die eigenen Bedürfnisse erkennen und in Worte fassen. Es befand jedoch Übung, die eigenen Reaktionen zu ergründen und zu reflektieren. Man muss sich mit den eigenenÜberzeugungen auseinandersetzen. 

Jedoch sind wir daran gewöhnt, Gefühle zu verbergen, vor anderen, auch vor uns selbst; das ist einfacher als sich mit möglichen schmerzhaften Gefühlen auseinander zu setzen. Jedoch: Wir beschneiden unsere eigenen Selbstwahrnehmung; man weiß nicht mehr, was gut und was zu viel ist. Und mit dieser schlechten Selbstwahrnehmung gehen wir in Kommunikationssituationen mit anderen hinein. 

Schlechte Wahrnehmung lässt das so genannte „Kopfkino“ entstehen: man lässt sich denken durch die wahrgenommenen, angenommenen Sachverhalte, die in Realität gar nicht so passiert sind. Im Kopfkino, in diesem Gedankenkonstrukt, gibt es zu viele Interpretationen, Vermutungen, zu wenig Fakten. 

Projekte scheitern an diesen Kommunikationsproblemen, deren Existenz wir uns noch nicht einmal bewusst waren. Eine gute Kommunikation verbessert die Zusammenarbeit sowie die Lebens- und Arbeitsqualität, steigert die Konfliktlösungskompetenzen und die Produktivität. 

Exkurs: Social Media und Bedürfnisse

Ebenfalls soziale Netzwerke sind Orte der Bedürfniserfüllung; wer nützliche Informationen verbreitet, erhält Anerkennung von der Community, die Wissen zu bestimmten Themen erwartet. Beiden Seiten werden beim Austausch Bedürfnisse erfüllt. Doch Auch die Freundschaftspflege, Kontaktpflege spielt sich immer häufiger online ab. Für die einen ist das entspannter, da der direktet Kontakt oft stressbeladen ist, also anstrengend. Aus Online-Gesprächen kann man schneller aussteigen, sich entziehen, man kann sie abrupt beenden, vor allem in heiklen Dialogen. Das hat zu Folge, dass die Konfliktkommunikation und Streitkompetenz geschwächt werden. 

Wie sehen Sie diese Wechselbeziehung von Erwartungen, Enttäuschungen, Emotionen in der Kommunikation? Hatten Sie auch schon das Gefühl, dass der andere Sie nicht versteht? kamen Sie schon mal zu dem Schluss, dass vielleicht Sie als erste klar hätten kommunizieren müssen, was Sie wollen?

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