Kritik richtig kommuniziert

„Ich seh das kritisch“ – Das haben Sie bestimmt schon einmal gehört. Erinnern Sie sich an Ihre erste Reaktion? Meine Verbindung zu diesem Wort ist leider meist negativ, da ich eine Gegenmeinung oder Argumente gegen meine Idee erwarte. Dabei ist Kritisieren nicht nur ein negatives Beurteilen, sondern ein strenges fachmännisches objektives Prüfen. Eine Kritik kann auch positiv sein, zum Beispiel eine Theaterkritik oder eine Literaturkritik.

Zum Thema Kritik, Kritikprofis und wie man mit Kritik umgehen kann, hat Dr. Kerstin Hoffmann, bekannt als PR-Doktor, eine Blogparade ausgerufen, an der sich schon viele Autoren beteiligt und interessante Aspekte beschrieben haben.

Kritik spielt in unserem Leben, für unsere Arbeit und in der Kommunikation eine große Rolle.

Was ist Kritik?

Es ist eine „Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben“, sagt Wikipedia.
Der Ursprung des Wortes kommt aus dem Griechischen kritikḗ (téchnē) und bedeutet „Kunst der Beurteilung“. Es geht beim Kritisieren also erstens um eine Beurteilung und zweitens um die Art und Weise, wie dies kommuniziert, vermittelt wird.

Kritisieren kann man durch verbale Sprache wie auch durch Mimik sowie Gestik. Hochgezogene Augenbrauen oder verkniffene Lippen haben manchmal eine größere Wirkung als Worte. Die nonverbale Körpersprache gibt oft schneller eine Reaktion auf Gehörtes oder Gesehenes als wir bewusst kontrollieren können, da sie schneller gesendet und schneller empfangen wird. Ein leichtes Nicken zum Beispiel kann Zustimmung vermitteln und wird in europäischen Kulturen meist so aufgefasst. Negativ empfunden wird, wenn sich jemand beim Gespräch abwendet.

Kritisieren ist Vergleichen: Was wir als angenehm empfinden, wird positiv vermerkt, was uns stört, wird negativ bewertet. Diese Beurteilungen unterliegen unseren Werten und Ritualen, unserer Wahrnehmung- und Handlungsmuster, unserem Orientierungssystem. Letztlich ist die Art und Weise, wie wir kritisieren, Ergebnis unserer Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Im Alltag oder im Urlaub, wir vergleichen und kritisieren immer, es dient uns zur Umweltbewältigung.

Kritik – Feedback geben und erhalten – konstruktive Rückmeldung

Das Wort Kritik hat meiner Meinung nach einen negativen Beigeschmack, ich spreche lieber von Feedback beziehungsweise eine konstruktive Rückmeldung geben, mit der man auch etwas anfangen kann.
Ich verstehe unter einer konstruktiven Rückmeldung eine sachliche und nützliche Information für denjenigen, dessen Arbeit beurteilt wird. Der Feedback-Geber möchte mit seiner Rückmeldung eine positive Reflexion und keine Abwehr beim Kritisierten erzeugen oder verletzend wirken. Daher ist die Art und Weise, in der Feedback gegeben wird, wichtig. Am besten funktioniert dies mit achtsamer Kommunikation.
Wichtig ist zu beachteten, dass der Kritisierte nachfragen kann; in einem Frage-Antwort-Dialog können positive Hilfen entstehen. Konstruktive Kritik wird meiner Erfahrung besser akzeptiert als Sätze wie „Nein, so geht das nicht“ oder „Was haben Sie denn da gemacht?“. Die Motivation des Feedback-Gebers sollte sein, die andere Person zu unterstützen, sich zu verbessern.

Ich bin (fast) immer froh, wenn mir jemand Rückmeldung zu meiner Arbeit gibt. Erstens kann ich eventuelle Fehler verbessern und noch einen Aspekt mit einbauen, den ich gar nicht betrachtet hatte, und es beim nächsten Mal richtig machen. Zweitens werden oft Alternativen zur Vorgehensweise genannt oder ein Aspekt, den ich selbst noch nicht ins Auge gefasst hatte, erweist sich als der bessere.

Ich unterscheide weiter, wer mir Feedback gibt. Ist es jemand vom Fach, der meine Arbeit sachlich kritisiert und ich eine Hilfestellung daraus ziehen kann, oder jemand, der mir eigentlich nur seine persönliche Meinung aufs Auge drücken will, obwohl er keine Ahnung hat, sich aber gerne reden hört.
Ist es jemand aus meinem Familien- oder Freundeskreis oder eine fremde Person, die weder mich kennt noch umgekehrt und sie daher den Zusammenhang beziehungsweise die Umstände einer Angelegenheit nicht erkennt?

Ewige Nörgler

Manche Menschen kritisieren oft mit Verallgemeinerungen („immer“, „nie“), sie finden dies und das schlecht, eigene Vorschläge zur Verbesserung werden jedoch nicht eingebracht. Ein meiner Meinung nach sehr gutes Beispiel ist die Wahlbeteiligung deutscher Bürger. In Gesprächen stellt sich oft heraus, dass gerade diejenigen, die die aktuelle politische Arbeit als falsch empfinden, selbst nicht wählen waren. Spricht man das offen an, fühlen sich diese Menschen komplett missverstanden und auf die Füße getreten und suchen Ausflüchte in den Fehlern anderer. Zum offenen Ansprechen ihres eigenen Unvermögens können sie selbst keine Antwort liefern.
Meiner Meinung nach sind diese Personen nicht besonders konfliktfähig.

Kritik und Kollegen

Auch im Büro ist Kritik immer wieder ein sensibles Thema, ist es doch ein sich Auseinandersetzen mit der Arbeit und Ergebnissen der Kollegen. Und obwohl es heißt, „sei hart zur Sache, aber weich zur Person“, kann gerade in kreativen Abteilungen das Kritisieren Probleme aufwerfen.

Es gibt diejenigen Personen, die sich mit dem Kritisieren schwer tun, weil sie a) andere nicht vor den Kopf stoßen wollen, die sich mit Herzblut mit etwas beschäftigt haben und sie diese nicht enttäuschen wollen, b) sie nicht wissen, wie sie kritisieren sollen, c) sie zwar eine gute Idee haben, diese aber nicht gut rüberbringen und andere begeistern davon können und selbst Angst vor Kritik haben.

Schließlich gibt es auch die Gruppe derjenigen, die generell nichts beurteilen, da eine Kritik ihrerseits plus Verbesserungsvorschlag Mehrarbeit bedeuten könnte.

Ich selbst empfinde mich als konstruktiven Kritiker, ich sage klar und ohen Verschnörkelung, was ich über eine Sache denke und gebe Alternativen, wie es meiner meiner Meinung nach besser gemacht sein könnte.
Vielen meiner Kollegen und Freunde gefällt das, denn so wissen sie gleich, was Sache ist und dass man nicht ewig um den heißen Brei reden muss. Da ich schnell Lösungen für kreative oder kommunikative Probleme anbieten kann, werde ich oft um Rat gefragt.
Meine Art, Feedback zu kommunizieren, scheint positiv bei meinen Gegenüber anzukommen; das freut mich. Ich bin der Meinung, dass service-orientierte Kundenkommunikation auf Augenhöhe eben auch die Kollegen im Unternehmen einschließt.

Kritik und Veränderungen

Wer eine Sache, eine Arbeit nach bestimmten Gesichtspunkten negativ bewertet, der sollte eine Alternative vorschlagen, wie man es besser machen könnte.
In Unternehmen findet man oft das Gegenteil. Zum Beispiel sitzen viele auf ihren warmen, eingesessenen Stühlen und beschweren sich über alles und jeden – negative Urteile am laufenden Band: über die Führungskräfte im Haus oder über die neue Kollegen, die meinen, sie würden es besser können als sie, die ja schon alles gesehen haben und kennen und überhaupt.

Veränderungen? Nee, gab es bisher nicht, brauchen wir nicht. Das hört auch immer wieder in Gesprächen über dieses Internet, dieses Social Media, ach ja, Facebook und überhaupt dieser ganze technische Kram. Wer braucht das heute denn, hat doch bisher auch ganz gut funktioniert. Und außerdem will man ja nicht permanent ansprechbar sein. Von diesen Shitstorms mal ganz abgesehen, Negative Stimmen auf der eigenen Website? Nein, das geht mal gar nicht. „Ähm, man kommuniziert über Sie im Internet, ob Sie da mitmachen oder nicht. Wäre es nicht besser, Sie wüssten, was über Sie geschrieben wird und potentielle Kunden lesen können? Sie könnten mitreden und Fragen gleich selbst beantworten“. „Nö“.

Viele Menschen sind leider beratungsresistent.

Es gibt diejenigen Personen, denen man erklären kann, was man will, Vorteile sehen sie keine, nur Arbeit. Ich denke, wenn Menschen bestimmten Dingen von vorne herein negativ eingestellt sind, dann ist es sehr schwer, sie von den Vorteilen zu überzeugen.
Es gibt die Damen und Herren, die willkürlich, ohne strategisch zu planen, chaotisch Dinge angehen und sich dann wundern, wenn sie die Hälfte vergessen haben; obwohl man ihnen ein Konzept vorgeschlagen hat.
Und natürlich diejenigen, denen man alles erklärt hat, sie dennoch den Rat der Fachkraft ignorieren. Den Spruch „Ich hab es doch vorher gesagt“ wollen sie beim Scheitern auf gar keinen Fall hören. In diesen Fällen hat sich Schweigen als beste Art der Kritik erwiesen – auch wenn ich das kritisch sehe. 😉

 

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