Wollen müssen sagen dürfen – Klare Kommunikation auch in der Freizeit

Kalender wie dieser helfen beim Überblick der Termine und Aufgaben (Foto: Nathalie Hammes)

„Mein Heiliger Sonntag“, „wir müssen heute Abend noch zu einem Geburtstag“ – Diese Worte schnappte ich beim Verlassen des Bürogebäudes noch auf. Mein erster Gedanke: Och, die alten Leute, was haben die sich denn so? Ziemlich unflexibel. Und weiter: Merken die eigentlich, was sie da sagen und dass andere das auch hören?

Wie sieht meine Freizeitgestaltung aus?

Durch die Tür raus in den Feierabend, dachte ich ebenfalls an meine eigene Freizeitgestaltung an diesem Tag, an die Dinge, die noch erledigt werden müssen. Ach ja, einen neuen Friseur-Termin muss ich auch noch vereinbaren, einen Anschreiben an die Stadtwerke aufsetzen, und und und. Oh, eigentlich wollte ich noch meine Mutter anrufen, mit meinen Freundinnen telefonieren und eigentlich mich auch noch bei meiner Oma für ihren netten Brief bedanken. Aber ich bin erst gegen 18 Uhr zuhause, in der Bahn möchte ich nicht lange reden. (Finde ich erstens bei anderen störend, auch wenn Beziehungsgerede manchmal ganz unterhaltsam sein kann, und zweitens geht mein Privatleben keinen in der Bahn etwas an.) Wenn ich zuhause bin, steht erst einmal das Abendessen an, Wäsche machen, Küche aufräumen, den nächsten Tag vorbereiten; ich wollte auch noch den interessant klingenden Artikel lesen, den ich mir auf Facebook als Link gespeichert hatte. Gleichzeitig bin ich ein bisschen müde und könnte gerne früher zu Bett gehen, ich muss morgens ja immer kurz vor sechs raus. Wie man sieht, ein großer Bogen von Wollen zu Müssen. Viel Müssen, viel Wollen.

Ja, wo ist sie denn hin, die Freizeitgestaltung? Irgendwie verstehe ich die oben genannten Bemerkungen.

Freie Zeiträume einplanen

Die einen schaffen sich einen heiligen Zeitraum, in den sie nichts reinplatzen lassen. Diese Zeit ist für sie reserviert, für ihre Hobbys, ihre Freizeit, ihr Nichtstun. Manche planen sich in diesen Korridor niemals etwas hinein. Begründung: „Ich möchte mir die Möglichkeit freihalten, in dieser Zeit tun zu können, was ich will, daher nehme ich keine Verabredungen in dieser Zeit an“. Können meist nur die Kinderlosen, denn Kinder und deren Ideen lassen sich nicht sehr gut planen.

Andere begründen dieses Vorgehen, dass sie die ganze Woche, außer am extra frei gehaltenen Sonntag, verplant sind: Im Job, in der Vereinsarbeit, zum wöchentlichen Lauftreff (denn gemeinsam kann man sich besser motivieren und man selbst möchte ja nicht derjenige sein, der aussteigt). Viele zusätzliche Verpflichtungen sorgen dafür, dass neben dem Full Time-Job jede freie Minute verplant ist. Daher werden an mindestens einem Tag keine Verabredungen angenommen. Oder man erlaubt sich eine flexible Entscheidung: Man lässt sich viel offen und entscheidet sehr kurzfristig.

Auch wenn sich viele Menschen prinzipiell gerne mit Freunden treffen und nette Gespräche führen, sie fühlen sich gedrängt. Vielleicht sagen daher manche, sie „müssten“ zu einer Verabredung. Weil sie eigentlich andere Bedürfnisse haben, die sie sich aber gerade nicht erfüllen können (der Einladung kann man nicht absagen, das macht man nicht).

Unser Leben: Verpflichtungen und Rollen

Denn neben dem Job warten die Verpflichtungen, die man noch dem Partner, den Kindern, dem Haustier und vor allem sich selbst gegenüber hat. Letztens sprach ich ebenfalls mit einer Kollegin über die vielen Funktionen und Rollen, die jeder Mensch im Leben annimmt und welche Anforderungen und Verpflichtungen damit einhergehen. Kind, Enkel, Freundin, Ehefrau, Haustierbesitzerin, Patentante, Mama, Abteilungsleiterin, Kollegin, Arbeitnehmerin… Viele Menschen erwarten in den jeweiligen Rollen Reaktionen und Aktionen. Das kostet Zeit. Wer einem Vollzeit-Job nachgeht, zur Arbeit 2 Stunden am Tag pendelt, Familie hat und genügend Schlaf möchte, dem bleiben von 24 Stunden nicht mehr viele freie Minuten für sich selbst. Da frage ich mich:  Wie viel Freizeit darf, kann und sollte man für sich selbst behalten?

Wenn man mehrere Male eingeladen wurde und immer absagt, wird man irgendwann nicht mehr gefragt. Doch wie kann man nett kommunizieren, ohne anderen auf die Füße zu treten, dass man lieber zuhause bleiben möchte? Klar, Freunde verstehen, wenn man Stress hat und aktuell nicht zu jedem Kaffeekränzchen dazu kommen kann oder zu müde ist, schon wieder 50 Kilometer zu fahren. Doch auf Dauer immer wieder die Einladungen ausschlagen? Das signalisiert langfristig Desinteresse.

Klare Kommunikation als Lösung?

Oder einfach ehrlich sein im Sinne der gesunden Kommunikation? Denn jetzt mal ehrlich: Wem ist geholfen, wenn ich mich zu einem Termin abhetze, wenn ich gedanklich woanders bin oder lieber im bequemen Outfit auf der Couch entspannen möchte. Mein Tipp: einfach die Sache ansprechen und schauen, ob es auf der anderen Seite ebenfalls so aussieht. Vielleicht kann man sich mit den Besuchen abwechseln oder sich einmal im Monat treffen, dafür mit genügend eingeplanter Zeit. Dann hat man viel Zeit, sich drauf zu freuen.  🙂

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