Manchmal einfach, manchmal anstrengend – Kommunikation unter Freunden

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Vor ein paar Tagen erzählte eine Bekannte, dass eine Freundin von ihr zum wiederholten Male für ihren Geburtstag abgesagt hatte, dieses Mal für ihren vierzigsten. Dieser „Runde“ war ihr dabei noch egal, doch oft feiert man diese Geburtstage als Meilensteine im Leben etwas größer und mit mehr Gästen und vor allem mit Menschen, die einem wichtig sind, und von denen man annimmt, man sei auch ihnen wichtig. So auch sie.
Ich hatte den Eindruck, sie sei wegen der Absage etwas sauer und auch traurig; denn leider wurde sie mittels sozialer Netzwerke und Bekannte informiert, dass diese Freundin eben nicht krank war, wie bei der Absage erklärt, oder auch nicht zu müde, wie ein Party-Foto erkennen ließ. Meine Bekannte verstand nicht, warum diese Freundin solche Ausreden erfand. Für sie sei „diese Sache“ nun erledigt, nachfragen werde sie nicht. „Na, im Sinne der bisherigen Freundschaft könntest du dir noch den Ruck geben und nachfragen“, meinte ich. „Ich muss aber auch keinem hinterherrennen, der anscheinend keine Lust auf meine Gesellschaft hat“. Im ersten Moment der Kränkung ist diese Reaktion nachzuvollziehen. Ich wäre auch beleidigt und hätte im ersten Moment keinen Bock auf ein Gespräch. Als Aussenstehender sieht man das immer anders, unter anderem, weil die Sachlage mit einem emotional großen Abstand betrachtet werden kann. Sind Gefühle, Erwartungen, Bedürfnisse im Spiel – die meisten sind natürlich immer unausgesprochen – kann das schon sehr heikel werden.
Nun, in der Tat ist ständiges Absagen von Einladungen das Eine; stellt sich eine Absagebegründung als nicht ehrlich gemeint heraus (krank sein, aber auf einer anderen Party rumspringen), dann wird man das irgendwann schon persönlich nehmen.

Es kommt nicht darauf an, daß die Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

In einer Freundschaft gibt es viele Situationen, in denen diese freiwillig eingegangene Beziehung an ihre Grenzen kommen kann. Kommunikation ist dann ganz wichtig und muss auch von beiden Seiten gewollt sein. Doch gleichzeitig ist zu beachten: Jeder hat eine andere Art der Kommunikation und ein anderes Bedürfnis nach Nähe. Die Situation, die für manchen ein Drama ist – oder er eines daraus macht – ist für den anderen keinen Aufreger wert. Stichwort subjektive Wahrnehmung: Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Freund, weil er Ihr Freund ist, die gleiche Meinung, die gleiche Sichtweise und auch die gleichen Bedürfnisse hat – eben nur basierend auf dem Umstand, weil sie befreundet sind.

Bei Freundschaft ist es ja gerade das Tolle bei Freunden: ohne Zwang, ohne Verpflichtung, wie so oft bei familiären Gegebenheiten, freiwillig.

Ein paar Beispiele, die für Unmut sorgen können, wenn man sie im Vorfeld nicht anspricht, sondern unausgesprochene Erwartungen hat.

  • Sie haben im Freundeskreis beim Umzug geholfen, jetzt ziehen Sie um: Sind Ihre Freunde nun an der Reihe, quasi verpflichtend, Ihnen zu helfen?
  • Sie haben einen Freund zum 150 Kilometer entfernten Flughafen gefahren; jetzt möchten Sie diesen Freundschaftsdienst erwiesen bekommen. Er hat keine Zeit.
  • Sie haben sich überreden lassen, ein für Sie besonderes Kleidungsstück Ihrem Freund auszuleihen, das es so nicht mehr zu kaufen gibt; Ihr Freund hat es kaputt gemacht, mit einem Geldwert ist es nicht gutzumachen. Sie sind gekränkt, dass der Gegenstand, der für Sie emotional aufgeladen war, dem anderen anscheinend nicht so wichtig war, sonst hätte er besser darauf aufgepasst.
  • Sie helfen Ihrem Freund beim Hausbau; bei Ihrem Bauprojekt zwei Jahre später fragt er nicht mal nach, wie es läuft. Sie sind gekränkt.
  • Sie sind Eltern geworden, Zentrum Ihres Lebens ist jetzt Ihr Nachwuchs. Längere Gespräche mit Freunden werden oft von den Bedürfnissen des Kindes unterbrochen. Ihr kinderloser Freund bespricht seine Probleme mit anderen; Sie verstehen nicht, warum Ihr Freund anscheinend nicht versteht, dass die Bedürfnisse des kleinen Würmchens gerade höhere Dringlichkeit hat. Man würde ja gerne, aber… Das hier Konfliktpotenzial besteht, muss man nicht weiter erklären.

Kommunikationstherapie auch unter Freunden?

Paaren wird empfohlen, regelmäßig über die Beziehung zu sprechen und den Stand der Dinge zu betrachten: Leben wir miteinander oder nebeneinander, haben wir die gleichen Ziele, regt sich bei einem der Kinderwunsch, lassen wir uns gehen oder arbeiten wir an uns, um uns für den anderen attraktiv zu halten?
Sollte das auch für eine Freundschaft gelten? Man schätzt und respektiert sich, sonst wäre man wohl nicht befreundet. Ist man es sich dann nicht auch wert, Veränderungen anzusprechen? Oder möchte man eine Freundschaft eher als lockeres Band sehen, in dem jeder sich so geben kann, wie er möchte, denn unter Freunden muss man sich ja nicht verstellen? Hm, alles haben, aber eventuell nichts geben wollen – funktioniert das auf Dauer?

 Aus bloßen Vorteilsdenken erwächst keine Freundschaft. Nicht äußerer Zwang um irgendwelcher Vorteile willen, sondern freier Wille ist die Grundlage der Freundschaft.

Marcus Tullius Cicero

In einer Freundschaft muss man sich dem anderen nicht unbedingt äußerlich attraktiv präsentieren, vorteilhaft für den Bestand einer Freundschaft ist es, wenn sich die Ebenen des Geistes und der Moral ähneln und in die gleiche Richtung weiterentwickeln. Wenn für die eine Person im Laufe der Zeit bestimmte Werte oder Ziele immer wichtiger werden, gleichzeitig für die andere Person immer unwichtiger, kann das Reibungspunkte verursachen. Wenn die eine Person etwas tut, was die andere mehr oder weniger ablehnt, wird die erste nicht mehr darüber sprechen. Folge kann sein, dass der Kommunikation eine wichtige Grundlage entzogen wird. „Was gibt es bei dir Neues?“ – „Nichts“.

Offen ist besser und ehrlicher

Oft sind es die unausgesprochenen Erwartungen an den jeweils anderen, die man hat. Das ist so, wenn man befreundet ist. Selten wird klar darüber gesprochen, selten wird eine Freundschaft einer regelmäßigen Prüfung auf Eignung unterzogen. Denn eine Freundschaft ist ein freiwilliges, am Anfang lockeres Band ohne Verpflichtung, das man mit einem anderen eingeht: Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen. Und man tut dies aufgrund gleicher Dinge und Interessen, die einen verbinden und eine Beziehung wachsen lassen: Gleiche Schule, gleicher Arbeitgeber, gleicher Job, gleiches Hobby. Man kommt ins Gespräch über diese eine Gemeinsamkeit und lernt sich besser kennen. Vielleicht geht man mal zusammen aus und bemerkt, dass man mehr gleiche Einstellungen, Wertvorstellungen, Ziele hat – oder auch nicht – und vertieft die Bekanntschaft – oder auch nicht.

Eine nicht gepflegte Freundschaft verläuft sich irgendwann, wird von einer Seite abgestuft zu Bekanntschaft: Wenn man sich mal sieht, ist alles paletti, wie früher, man versteht sich gut, hat einen amüsanten Abend. Doch das Interesse und die Bereitschaft, neue Erinnerungen zu schaffen, sind gesunken. Andere Menschen und deren Bedürfnisse nehmen mehr Raum und Zeit ein, Prioritäten verlagern sich.

Ortswechsel bieten Anlass zum Überdenken

Die Leben befreundeter Personen bewegen sich schon aufgrund der Umstände auseinander: Die einen werden Kinder bekommen, die anderen einen Vollzeit-Job übernehmen, in dem sie aufgehen. Da muss noch nicht einmal die räumliche Entfernung eine große Rolle spielen. Manchmal wohnt man nur ein paar Kilometer entfernt und sieht sich kaum. Kommt ein Ortswechsel dazu, wird mittels Kommunikation an dieser Freundschaft gearbeitet werden müssen, möchte man sie aufrecht erhalten; dazu muss man ihr den notwendigen Raum und auch Zeit geben. Ein paar Male im Jahr zu telefonieren ist nicht ausreichend, um an den alltäglichen Freuden und Sorgen des Anderen teilzuhaben.
Die digitale Kommunikation via Facebook, Twitter und Co kann dabei hilfreich sein, jeder kann mit jedem ständig und jederzeit in Verbindung stehen. Wenn man möchte.

Wenn Sie möchten, dass Ihre Beziehungen, jeglicher Art, bestehen, dann sprechen Sie das einmal an, falls Sie sich nicht mehr so wohl in der Freundschaft fühlen. Schieben Sie unbequeme Fragen nicht vor sich her, von alleine beantworten sie sich in der Regel nicht. Schaffen Sie eine Gelegenheit, erklären Sie, wie Sie die Situation erleben und wie es Ihnen dabei geht. Fragen Sie dann Ihr Gegenüber, wie er dies erlebt hat.

Vielleicht erarbeiten Sie gemeinsam eine Lösung, wie man die aktuelle Situation verbessern könnte, so dass sich beide wohlfühlen. Kommt man leider zu dem Schluss, dass andere Dinge und Menschen (im Moment) eine höhere Priorität haben, dann muss man dies so hinnehmen.

Denn das ist es ja, was eine Freundschaft ausmacht: dem anderen uneigennützig und selbstlos ein Freund sein.

Haben Sie schon Konflikte mit Freunden austragen müssen? Sind diese gut ausgegangen oder haben Sie sich für getrennte Wege entschieden?

Weiterführende Artikel

Die Gesetze der Freundschaft, http://www.spektrum.de

Wo die Freundschaft aufhört, https://editionf.com

Komm, lass uns reden, http://www.faz.net

Wir sind doch nicht zusammen, https://www.jetzt.de