Onlinekommunikation – flexibel, aber auf Dauer unpersönlich?

Das Smartphone, das kleine Tor zur Onlinekommunikation (Foto: https://pixabay.com/de/users/rawpixel)

Letztens im Gespräch, in größerer Runde was es Neues gibt: „Und seit alle WhatsApp benutzen, geht kaum noch einer ans Telefon oder ruft an, stattdessen diese Weiterleitungen von blöden Bildchen und Videos, die ich besonders zu Weihnachten und Ostern erst von der Mutter, dann von der Tante bekomme, weil sie sich untereinander das Gleiche zuschicken. Oder auch die nervige Frage: „Warum antwortest du nicht? Ich habe doch gesehen, dass die Nachricht gelesen wurde“. – Was soll das denn? Seit wann ist man denn verpflichtet, auf eine WhatsApp gleich zu antworten? Dann sollen die Leute halt anrufen, wenn es so dringend ist“ – Entrüstung pur. – Von anderer Seite kam „Ich nutze privat kein WhatsApp, ist mir egal, wer mir was schreibt. Ich habe das nur wegen meinen Kunden, die mir Bilder von Schäden schicken“. – Es folgte eine längere Diskussion über Sinn und Unsinn von Kommunikationskanälen und deren Nutzung.

Onlinekommunikation 24/7

Nun, schon länger bekannt: Die Onlinekommunikation schafft orts- und zeitunabhängige Kommunikationsformen, Videos, Timelines und Newsfees bieten eine Nachlese von Informationen zu Veranstaltungen, Vorträgen, Uniseminaren. Websites, Blogs und die sozialen Netzwerke bieten den Menschen die Möglichkeit, sich 24/7 zu informieren und zu kommunizieren.
Eine Besonderheit der flexiblen Onlinekommunikation ist, dass man auf verschiedenen Kanälen unterschiedliche Angelegenheiten besprechen kann, und das auch über einen längeren Zeitraum: Via Facebook-Messenger der Stand zu Doktorarbeit, in WhatsApp die Vorbereitungen für Weihnachten, via SMS Kurzinfos zur Bahnreise, über Snapchat die aktuellen Highlights des Tages. Dialoge finden auf unterschiedlichen Ebenen statt, wie es zeitlich passt, und jeden Moment, wenn das Smartphone blinkt, kann ein Gespräch weiter gehen. Das kann sich über Tage hinziehen, da die Beteiligten ihre Chats jeden Tag ergänzen (können).

Gerade für Arbeitnehmer mit flexiblen oder Schicht-Arbeitszeitmodellen ist das 24/7-Modell eine praktische Sache. Was im privaten Umfeld nicht immer positiv gesehen wird.
Vielen meiner Bekannten ist diese Flexibilität zu unverbindlich, zu anstrengend: Auf der einen Seite so eine unpersönliche Nachricht, mit Anspruch einer direkten ausführlichen Antwort. Der Kommunikation fehle es an Tiefe, die Schreiberei der ausführlichen Informationen nerve und auch der persönliche Aspekt käme zu kurz, so die Meinung.

Lieber nicht zu persönlich werden?

Irgendwie scheinen persönliche Gespräche aus der Mode zu kommen, meinen Ältere. Warum eigentlich? Zu verbindlich, weil man gleich antworten muss? Weil man länger miteinander kommuniziert und das keiner möchte? Oder ist es generell ein Zeitfaktor? Oder ist ein gutes Gespräch nicht mehr so wichtig? Oder können die Menschen kein gutes Gespräch mehr führen? Fragen, die sich stellen, seit es die vielen Kommunikationsformen gibt.

Wenn man morgens um 4.30 Uhr an jemanden denkt, ist es doch sehr lieb, das zu kommunizieren. Ich würde einen Messenger bevorzugen, denn ich glaube nicht, dass sich der Empfänger über diese Information via Telefonanruf freut, der ihn aufweckt. Also wenn zwei Personen unterschiedliche Arbeitszeiten haben, ist die Onlinekommunikation doch sehr praktisch.

Digitale Kommunikation ist nicht für jeden das Optimale

Doch wie ich höre, haben sich viele Menschen an die Kommunikation via Nachrichten gewöhnt und rücken kaum noch davon ab – dabei bemerken sie nicht, dass nicht jeder aus ihrem Umfeld diese Kommunikationsart gleich toll findet. Was ich schon feststellte: Manch einer diskutiert gerne über gefühlt tausend Nachricht sein Problem und seinen Standpunkt, statt anzurufen und zu reden, was meiner Meinung effizienter wäre.

Die Vielfalt der Kommunikationskanäle bietet die Möglichkeit, dass man für jede Kommunikation den geeigneten finden kann – und manchmal ist es einfach das Telefon und der persönliche Kontakt vor Ort.

Wenn Sie also nur noch kurzangebundene Antworten auf Ihre ausführlichen Nachrichten bekommen: Rufen Sie denjenigen doch mal an, spontan, ohne vorheriges Ankündigen. Oder verbringen Sie Zeit miteinander.

Individuell Grüße gestalten

Zu den zu Anfang erwähnten kettenbriefartigen WhatsApp-Weiterleitungen: Es ist nicht stimmungsförderlich, alle Verwandte zum Feiertag in eine WhatsApp-Gruppe zu packen und zu schreiben: „So, dann stellen wir hier nun alle die Bilder, Videos und GIFs rein, die sich alle gegenseitig zusenden. “. 🙂

Kleiner Tipp: Gestalten Sie Ihren eigenen, individuelle und unverwechselbaren digitalen Weihnachtsgruß, zum Beispiel mit der BildbearbeitungsApp PicsArt (kostenfrei). Und wer den Fans der analogen Kommunikation eine Freude machen möchte: Diese Bilder kann man ausdrucken, dazu ein paar handgeschriebene Sätze – et voilà! – ein persönlicher Gruß 🙂

Mehr dazu im Internet

Was ist Online-Kommunikation?
„Das Internet gehörte im Jahr 2007 für 68 Prozent der Menschen im Alter von über 10 Jahren in Deutschland zum festen Alltag. In der Bevölkerungsgruppe der bis 54-Jährigen liegt der Anteil der Nutzer sogar bei fast 90 Prozent. Nach dem Abflauen des „Internet-Hypes“ um das Jahr 2000 hat sich die Online-Kommunikation als feste Größe im Kommunikationsmix festgesetzt.“
http://www.magronet.de/online-kommunikation/

Online-Kommunikation – Das neue Normal
„Smartphones und Tablets haben sich zu Universalwerkzeugen entwickelt, zu sozialen Universalwerkzeugen. Denn Online-Kommunikation durchzieht unseren gesamten Alltag. Blicken wir ins Morgen: Da denkt, fühlt, erlebt und handelt der Mensch im Wissen, permanent online, permanent verbunden zu sein – permanently online, permanently connected (kurz POPC). Für viele gilt das heute schon.“
https://www.zeit.de/2016/05/online-kommunikation-leben-alltag-auswirkungen/komplettansicht

Verarmt im digitalen Zeitalter unsere Kommunikation?
„Der bedeutende Unterschied liegt aber in der Rolle im Umgang gegenüber der Technik. Was der Mensch beim Schreiben als aktive Kreativleistung erbringen muss, wird durch das reaktive Konsumieren von miteinander vernetzten Inhalten des World Wide Web zum Teil vollständig ausgeblendet. Die Auseinandersetzung mit Inhalten wird in Zeiten der Wischgeste immer kürzer. Die Umgebung ist fragmentartig. Welten werden zusammengesetzt, ohne auf Konsistenz und Kausalität geprüft zu werden. Die Gefahren liegen also im Umgang.“
https://digihuman.org/2017/02/01/verarmt-im-digitalen-zeitalter-unsere-kommunikation/

 

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2 Gedanken zu “Onlinekommunikation – flexibel, aber auf Dauer unpersönlich?

  1. Also für ganz persönliche und schöne Mitteilungen schreibe ich jetzt gerne mal wieder eine Postkarte oder einen Brief. Und die Antwort per Postkarte oder Brief in meinem Briefkasten erfreut mich mehr als die in der Mailbox. Das liegt vielleicht auch an der Generation. Und doch auch daran, was von Belang ist. Viele Grüße

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    • Hallo Herr Arnold, danke für Ihren Kommentar, ich stimme Ihnen voll zu. Ich bin auch ein großer Fan der Briefschreiberei und bekomme auch gerne Post via Briefkasten. Leider sehe ich mich immer einsamer auf diesem Feld stehen. Die Karten, die zu Geburtstagen oder zu Weihnachten ankommen, werden immer weniger, stattdessen steigen die Mitteilung via WhatsApp oder Facebook Messenger. Das finde ich sehr schade, da doch unpersönlich. Zu Ihrer Hinweis auf die Generationsfrage: Ich denke, im Alter legt man mehr Wert auf andere Dinge. Und Vergängliches wie elektronische Nachrichten gehört dann vielleicht nicht dazu. Kennen Sie eigentlich Postcrossing? Eine schöne Sache! Viele Grüße, Nathalie Hammes

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